Mikroklimatische Stadtspaziergänge

  Gruppe bei den Climatewalks © GBT  

Video: vimeo.com/794800961

Mikroklimatische Stadtspaziergänge - Climatewalks

 31.8.2022

Climatewalks bilden die mikroklimatische Landschaft, die wir auf menschlicher Ebene erfahren, in hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung ab. Während der mikroklimatischen Stadtspaziergänge nehmen wir Konditionen mit einer mobilen Wetterstation auf, die mit Umweltsensorik und GPS-Tracking-Datenloggern ausgestattet ist, um den transienten Zustand in verschiedenen saisonalen Szenarien zu erfassen und darzustellen. Die Datenaufnahme erfolgt dynamisch und kumulativ, um somit den Bezug zwischen Menschen und Stadtraum herzustellen.

Während der mikroklimatischen Stadtspaziergänge melden die TeilnehmerInnen ihre thermischen Präferenzen zurück und tragen so zur Darstellung der individuellen Wahrnehmung der Qualität des urbanen Raums bei. Dadurch werden subjektive Wahrnehmungsebenen aufgenommen, die die thermischen Messungen integrieren.

Durch die Verknüpfung individueller subjektiver Reaktionen zur Anpassung an die Gegebenheiten der Stadtmorphologie, ermöglicht das Experiment, die Beziehung zwischen Mikroklima und thermischer Wahrnehmung des Menschen im urbanen Raum zu messen, und sowohl qualitativ als quantitativ abzubilden.

Die sich daraus ergebende Kartierung stellt die mikroklimatischen Bedingungen auf den begangenen Wegen dar und erkennt Schwankungen mit einer hohen räumlich-zeitlichen Auflösung: die Kartierung kann auch überhitzte Stellen sowie die kühlende Wirkung bestimmter Merkmale wie Bäume und grüne Infrastruktur hervorheben. Die Werte generieren mikroklimatisches Wissen, das in Verbindung mit der subjektiven Reaktion die Grundlage für die Formulierung von Klimaanpassungsstrategien bildet.

Climatewalks sind inspiriert von der Promenadologie, einer kulturwissenschaftlichen und ästhetischen Methode, die von Lucius Burckhardt entwickelt wurde, sowie von experimentellen Praktiken wie den Spaziergängen von Alison und Peter Smithson, oder die Lawrence Halprins.

Ziel dieser Spaziergänge ist es, die Beziehung zwischen städtischer Morphologie, Mikroklima und thermischer Behaglichkeit aus der Perspektive des Nutzers ein bis zwei Meter über dem Boden zu untersuchen, um die thermische Vielfalt und Qualität der Stadt zu untersuchen. Die Ergebnisse bilden das Zusammenspiel von physischen, psychologischen und physiologischen Aspekten des Mikroklimas ab.

Im Innovationsprogramm Zukunft Bau bringen die mikroklimatischen Stadtspaziergänge den Fokus auf den städtischen Außenraum, der durch die Form und Materialität der Gebäude geprägt wird, und stellen den Bezug zwischen Gebäude und Kontext in den Mittelpunkt. Damit erweitern sie die Betrachtung der Gebäude als Bausteine eines Systems und deren Auswirkungen auf das Mikroklima, auf das Wohlbefinden der Menschen und auf die Qualität des öffentlichen Raumes.

Die Videodokumentation (https://vimeo.com/794800961) entstand mit der Unterstützung des Zukunft Bau Pop-Up Campus   (Bundesinstitut für Bau, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung - Referat WB 3, Forschung im Bauwesen).

Hier geht es zur Publikation zum Thema:
https://gbt.arch.rwth-aachen.de/go/id/ppes/file/975516